Sehr verehrte Damen und Herren, sehr geehrter Prof. Loader,

wenn man einen Affen aus sich macht, so hat dieses im Deutschen eine negative Bedeutung. Unser Jubilar stammt aus dem südlichen Afrika und hat, das darf man hier wohl sagen, einen Affen aus sich gemacht und dieses mit einer positiven Bedeutung gefüllt.

James Alfred Loader ist nicht nur ein hervorragender Wissenschaftern mit einem Schwerpunkt in der altesstamentlichen Weisheit, sondern er ist selbst ein Weisheitslehrer. Als Weisheitslehrer hat er einen Affen aus sich gemacht und zwar einen Affen, der auf einem Baum sitzt, aufmerksam beobachtet, was um ihn  herum geschieht und, wenn es die Situation verlangt hohe Warntöne ausstößt. Das Pseodonym unter welchem James Alfred Loader in Südafrika Kurzgeschichten veröffentlicht, Kees van den Brom, bringt genau diese Funktion eines Warntöne abgebenden Affen  zum Ausdruck.

Als Weisheitslehrer äußert er sich in diesen kurzweiligen und nachdenklich stimmenden Kurzgeschichten. Aber auch darüber hinaus hat er, als jemand, der in der Apartheidszeit aufgewachsen ist immer wieder, insbesondere in seiner reformierten Kirche, der Hervormde Kerk, seine Stimme erhoben.

In der wissenschaftlichen Welt taucht seine Stimme bereits in den 60er Jahren mit einem Artikel in der Zeitschrift für alttestamentliche Wissenschaft auf. In einer Zeit in der renommierte Theologien und noch mehr das kirchliche Umfeld im Konservatismus zu erstarren drohte, brachte er in Südafrika neue und doch nicht zeitgeistige Ansätze in die Forschung ein. Als scharfer, kritischer Denker durchdachte und dekonstruierte er geschlossene Systeme. Da er zugleich nie einen Hehl daraus machte, dass seine theologische Existenz in einem christlichen Glauben reformierter Prägung ruht, prägte er Generationen von Theologinnen und Theologen, Pfarrerinnen und Pfarrern.

Wie es bei Weisheitslehrern von Salomo angefangen üblich ist, ranken sich um einen historischen Kern Geschichten und Legenden.

So weiß ich nicht, ob es wahr ist, dass ein Student, nachdem alle seine Argumente widerlegt worden waren, gegenüber einem Kollegen als einziges Argument gegen JAL noch hervorbringen konnte: „maar hy rook“, aber er raucht. – Nun auch dieses Argument würde heute nicht mehr gelten.

Ebenso würde ich gerne wissen, ob die Legende stimmt, dass unser Jubilar noch in den Zeiten vor mp3 – Player und iPod zu frühmorgendlicher Stunde auf dem Fitnessgerät gestanden und gleichzeitig französische Vokabeln gelernt hat.

Sein Einsatz brachte Lames Alfred Loader manchmal an die körperliche Grenze. Umso mehr freuen wir uns, dass wir ihn heute hier haben. Ich persönlich habe das Glück ihn seid rund 20 Jahren zu kennen. Als sich mir die Möglichkeit bot im südlichen Afrika tätig zu werden, nahm ich zu ihm in Pretoria Kontakt auf und fand in ihm einen Doktorvater, der mir stets wissenschaftlichen Freiraum gewährte und dazu die Möglichkeit mich weiterzuentwickeln. Und doch stand er stets mitdenkend, spiegelnd und anregend zur Seite. Dafür meinen persönlichen Dank.

Vor nunmehr 13 Jahren kam James Alfred Loader mit seiner Familie nach Wien. Ein großer Schritt. Drei Jahre nach den ersten demokratischen Wahlen stand Südafrika in einem großen Veränderungsprozess, der bei allem Fortschritt auf Grassrootlevel doch große Sorgen für die akademische Zukunft erblicken ließ. Dieser große Schritt wurde unser Glück.

Sie, Herr Loader, haben der Wiener Fakultät ihr Gepräge gegeben und hier – wenn auch nicht Heimat – so doch ein neues zuhause gewonnen. Dieses Haus ist zwar viel kleiner als das alte, aber wenigstens könne sie hier ihrer Leidenschaft, der klassischen Musik,  nachgehen. Der Zugang wurde ihnen ja vor ein paar Jahren versüßt als sie glücklicher Gewinner einer Beethovenkonzertreihe waren.

Wenn wir Sie heute an der Fakultät ehren, so soll dabei die Internationalität ihrer Arbeit gewürdigt werden. Zu ihrem 60. Geburtstag erhielten sie in Pretoria eine Festschrift, in der außer Südafrikanern nur Marianne Grohmann und ich einen Artikel schrieben. Zu ihrem 65. Geburtstag haben sich ehemalige Schüler und Kolleginnen und Kollegen, sowie eine ihnen persönlich sehr nahe stehenden Person, gemüht, unter dem Oberthema „Weisheit und Schöpfung“ ihre Forschungsergebnisse in Form einer Festschrift zur Verfügung zu stellen. Die Beiträge kommen aus Südafrika, den USA,  England, Schottland, den Niederlanden, Finnland, Deutschland, der Schweiz und Österreich. Ich habe nun die Ehre ihnen diese Festschrift zu überreichen. Sie wurde von Marianne Grohmann und mir zusammengestellt und erfolgt in der Reihe Wiener Alttestamentliche Studien, deren Herausgeber sie sind. Mögen Sie viel Freude am Lesen haben und sie als Zeichen der Dankbarkeit entgegen nehmen.

Ihnen Frau Loader, ebenfalls ein herzliches Dankeschön für alle Unterstützung, die sie ihrem Mann gegeben haben und auch für ihr Mitwirken an der Festschrift.

Stefan Fischer, Wien  9. Juni 2010

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